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Motorüberholung • Kurbelwelle und Anbauteile wuchten

– Beitrag in der 190 SL-Revue • 2021-03 –

Beitrag • Vorwort

Dieses Mal möchten wir euch genauer über das Wuchten der Kurbelwelle bei einer Motorüberholung berichten 

Viele Kunden kommen zu uns und sind unglücklich mit dem unruhigen Motorlauf. Die Überholung von Motoren gehört bei uns zum Tagesgeschäft (Bild01). Mittlerweile überwiegen bei uns die leistungsgesteigerten Motore, da das Fahrgefühl einfach wesentlich spritziger ist und noch mehr Spaß bereitet. 

Doch um einen ruhigen Motorlauf hinzubekommen ist einiges an Know-how und „Fingerspitzengefühl“ nötig. Wenn wir uns die Kurbelwelle anschauen, so geht es hier um Milligramm. 

Der Mercedes-Benz 190 SL Motor hat drei Hauptlager und vier Pleuellager. Die Kurbelwelle wird komplett mit der Schwungscheibe hinten und dem Gegengewicht mit der Keilriemenscheibe in einem Stück gewuchtet. Die Welle alleine kann nicht gewuchtet werden. Um die Unwucht der Welle zu kompensieren sind in der Rückseite der Schwungscheibe und im Gegengewicht Gewichtsaussparungen eingegossen. Die Ersatzteilnummer ist auf der Rückseite der Schwungscheibe eingegossen und hat die Nummer 121 030 08 05. 

Tipp von uns: Sollte die Et.Nummer mit 180 … beginnen, handelt es sich nicht um die 190 SL Schwungscheibe, sondern ist vom 220er 6 Zylinder Motor, Et.Nummer 180 030 02 05. Die Scheiben sehen sich sehr ähnlich. 

Durch die Jahre haben wir unsere Erfahrungen gemacht. Eine davon lautet: Traue niemals dem Hersteller. Eine angeblich auf Null gewuchtete Druckplatte, ergab in unserer Anzeige eine Unwucht von über 6 Gramm. Wir wuchten auf Milligramm. Der Unterschied im später fertig überholten Motor wäre enorm. 

Aus Fehlern lernt man und seit Jahren wird die neue Kupplungsdruckplatte im ausgebauten Zustand auf der Schwungscheibe zentriert. Auf dem Bild 02 seht ihr die 5,79 Gramm der Druckplatte. 

Jetzt wird sich der ein oder andere fragen, was passiert bei einem Kupplungswechsel wenn eine neue Druckplatte montiert werden muss? Auch dafür haben wir bei uns im Haus eine Lösung: Die Schwungscheibe wird auf eine Welle an der Wuchtmaschine montiert und laufen gelassen (Bild03). Die Anzeige zeigt uns utopische Werte an. Mit einem Knopfdruck stellen wir die Anzeige auf Null und können jetzt die Druckplatte dazu wuchten. Genauso, wenn eine Schwungscheibe kaputt geht. Den alten Schwung aufnehmen auf null drücken und die Unwucht übernehmen. (Bild04) 

Zu der Zeit als die 190 SL gebaut wurden, war so etwas nicht möglich, aber mit der heutigen Technik ist das kein Problem. 

Das Team von WALLNER Classic wünscht Euch einen goldenen Herbst! Bleibt gesund, 

Euer Fritz und Rouven 

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